{"id":143,"date":"2019-11-18T17:09:00","date_gmt":"2019-11-18T17:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tantefineblog.wordpress.com\/?p=143"},"modified":"2020-04-03T07:25:37","modified_gmt":"2020-04-03T07:25:37","slug":"die-sache-mit-der-selbstoptimierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.tantefine.de\/blog\/die-sache-mit-der-selbstoptimierung\/","title":{"rendered":"Die Sache mit der Selbstoptimierung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Kolumne von <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/notitle.blog\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Pilar Hammerl | (\u00f6ffnet in einem neuem Tab)\"><strong><em>Pilar Hammerl<\/em><\/strong> <strong><em>|<\/em><\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p> #Selflove, #happiest #metime, #yogawithaview, #veganfoodlove \u2026 <\/p>\n\n\n\n<p>Zurecht werden sich jetzt einige fragen: Was soll das? Dabei lesen wir diese Aneinanderreihung von Hashtags doch gef\u00fchlt jeden Tag. Sie zieren in etwa die H\u00e4lfte der 80 Millionen Fotos, die t\u00e4glich auf Instagram hochgeladen werden. Besonders gut machen sie sich unter dem f\u00fcnfhundertsten Selfie, der Acai-Bowl im hippen Deli nebenan oder den neuen knalligen Yogapants \u2013 nicht zu vergessen: unter Bildern mit R\u00fcckenansicht. Bitte aber beim Wandern, Klettern oder an einem anderen abgefahrenen Ort, an dem m\u00f6glichst wenig Zivilisation herrscht. Denn es geht \u201eBack-to-the-roots\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wer mich kennt wei\u00df, auch ich habe derartige Bilder in meinem \u201esehr erfolgreichen\u201c Instagram-Profil. Meine sage und schreibe 176 Follower, d\u00fcrfen sich etwa alle acht Monate \u00fcber ein neues Foto von mir freuen. Zuletzt: Die neue Yogapants. Was soll ich sagen \u2026 Ich sch\u00e4tze, an gewissen Trends f\u00fchrt einfach kein Weg vorbei. Mitgehangen, mitgefangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wir leben in einer Welt, in der viele Menschen\nmehr Wert auf ihren Online-Auftritt legen, als auf ihre Pers\u00f6nlichkeit. Wir\nsind jeden Tag einer Flut an Informationen und Auswahlm\u00f6glichkeiten ausgesetzt.\nOb es der Gang zum Supermarkt ist, bei dem wir uns zwischen 50 verschiedenen\nJoghurtsorten entscheiden k\u00f6nnen, der st\u00fcndliche Blick auf das Smartphone, der\nuns sofort zum Handeln zwingt, wenn das Display aufleuchtet oder auch die\nAuswahl an Beziehungspartnern, ich sage nur Tinder und wie der Rest noch hei\u00dfen\nmag. Wir sind mit permanenter Ablenkung und Vielfalt konfrontiert.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt noch zwischen dringend und\nwichtig unterscheiden? Haben wir die wesentlichen Themen des Lebens aus den\nAugen verloren? Wie in etwa: Echte Freundschaften, die durch dick und d\u00fcnn\ngehen. Ausreichend Zeit mit der Familie. Beziehungen, die auch mal Krisen\n\u00fcberstehen oder auch der Job, der meiner Meinung nach zu viel Zeit in unserem\nLeben beansprucht, um ihn einfach \u201enur\u201c hinzunehmen und zu ertragen \u2013 als\nMittel zum Zweck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Hoch auf die \u201eHappy-Bewegung\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Denn um was geht es wirklich? Abgesehen von den\noffensichtlichen Grundbed\u00fcrfnissen der Menschen, geht es doch um Gl\u00fcck. Wer\nwill nicht einfach gl\u00fccklich sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wette diese Erkenntnis ist ebenso wenig DIE\nNeuigkeit des Jahrhunderts, wie der Absatz \u00fcber unsere heutige Gesellschaft.\nDenn die \u201eHappy-Bewegung\u201c, wie ich sie gerne nenne, ist in vollem Gange und vor\nallem in aller Munde.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Prinzip dabei ist eigentlich simple, denn es geht\nin erster Linie um die Fragen: Was will ich vom Leben? Was macht mich wirklich,\nwirklich gl\u00fccklich? Und wie bekomme ich es? Ratgeber dazu sprie\u00dfen f\u00f6rmlich wie\nPilze aus dem Boden. Ein munteres Potpourri aus Podcasts, B\u00fcchern und Blogs,\ndie einem eine Vielzahl an Denkanst\u00f6\u00dfen und Handlungsempfehlungen servieren.\nObendrauf gibt es die Einstellung: \u201eGeht nicht, gibt\u2019s nicht\u201c kostenlos dazu.\nIch liebe dieses Motto.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch aller Anfang ist schwer, scheitern doch viele\nbereits bei der Frage: Was macht mich wirklich, wirklich gl\u00fccklich?<\/p>\n\n\n\n<p>Um das herauszufinden, empfehlen die Ratgeber sich\nwieder auf das Wesentliche zu besinnen, auf sich selbst. Gar nicht so einfach\nbei all der Ablenkung und all den Glaubensmustern, die wir im Laufe der Zeit\nselbstverst\u00e4ndlich \u00fcbernommen haben, ohne sie je zu hinterfragen. \u201eDas macht\nman nun mal so.\u201c Sagt wer?<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tten Aristoteles, Mahadma Gandhi, Albert Einstein\noder Martin Luther King \u2013 nur um mal einige der ganz Gro\u00dfen zu nennen \u2013 einfach\nhingenommen, was andere felsenfest behaupteten, w\u00e4re unsere Welt mit Sicherheit\neine andere.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir selbst geben den Dingen ihre Bedeutung <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was tut also die kluge Frau von heute, um das heraus\nzu finden? Um \u201esich selbst zu finden\u201c? #yogawithaview, #meditation,\n#socialdetox, #metime, #selflove \u2026 Womit wir wieder bei \u00e4hnlichen Hashtags, wie\nam Anfang des Textes angelangt w\u00e4ren. Nur an dieser Stelle w\u00fcrde ich gerne noch\neinen erg\u00e4nzen: #Selbstoptimierungsstress. Zugegeben, zu diesem Hashtag\nexistieren bis dato ganze null Bilder auf Instagram. Der Andrang h\u00e4lt sich also\nin Grenzen, aber daf\u00fcr ergab meine Recherche folgende Schlagw\u00f6rter, die\nstattdessen immer h\u00e4ufiger verwendet werden: #Selbstoptimierungswahn, #Selbstoptimierungsucks.<\/p>\n\n\n\n<p>Harte Worte, denn ich w\u00fcrde das Vorhaben, sich wieder\nmehr auf die eigene Pers\u00f6nlichkeit zu konzentrieren, keinesfalls als eine\nnegative Sache abstempeln. Im Gegenteil: ich bef\u00fcrworte derartiges Bestreben.\nAber die Schlagw\u00f6rter best\u00e4tigen, was mir zunehmend auff\u00e4llt: Frauen (und\nM\u00e4nner), die gar nicht mehr zur Ruhe kommen, seit sie beschlossen haben \u201esich\nselbst zu finden\u201c. Sie besuchen Seminare, machen Online-Kurse, lesen B\u00fccher,\nrennen zum Yoga und versuchen abends vor dem Schlafengehen krampfhaft zu\nmeditieren. Hinterher \u00e4rgern sie sich dar\u00fcber, dass die erhoffte meditative\nRuhe ausbleibt. So gehen sie ins Bett. Mit einer Liste an ToDos und einem\ninneren Dialog an Selbstzweifel und schlechtem Gewissen, weil sie sich\neigentlich mehr vorgenommen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Versteht mich nicht falsch, ich pl\u00e4diere hier\nkeinesfalls daf\u00fcr, seinen inneren Schweinehund gewinnen zu lassen und stets in\nseiner Komfortzone zu verweilen, aber darf das Ganze nicht auch Spa\u00df machen?\nDenn wenn ich etwas gelernt habe, dann die Tatsache, dass alles m\u00f6glich ist,\nsobald man aus eigenem Antrieb heraus handelt. Fragt euch also vor eurem\nn\u00e4chsten Vorhaben, f\u00fcr was oder wen ihr das macht? F\u00fcr 50 neue Likes auf\nInstagram? Weil es jeder macht? Oder f\u00fcr euch selbst?<\/p>\n\n\n\n<p>Immerhin sind wir es, die den Dingen ihre Bedeutung geben.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Magazinbeitrag: <\/pre>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" width=\"842\" height=\"595\" src=\"https:\/\/tantefineblog.files.wordpress.com\/2019\/12\/kolumne_ph_magazin.jpg?w=842\" alt=\"\" data-id=\"222\" data-link=\"https:\/\/tantefineblog.wordpress.com\/kolumne_ph_magazin\/\" class=\"wp-image-222\" srcset=\"https:\/\/staging.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/kolumne_ph_magazin.jpg 842w, https:\/\/staging.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/kolumne_ph_magazin-300x212.jpg 300w, https:\/\/staging.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/kolumne_ph_magazin-768x543.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 842px) 100vw, 842px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" width=\"700\" height=\"695\" src=\"https:\/\/tantefineblog.files.wordpress.com\/2019\/12\/foto-23.09.19-15-32-07.jpg?w=700\" alt=\"\" data-id=\"223\" data-link=\"https:\/\/tantefineblog.wordpress.com\/foto-23-09-19-15-32-07\/\" class=\"wp-image-223\" srcset=\"https:\/\/staging.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/foto-23.09.19-15-32-07.jpg 700w, https:\/\/staging.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/foto-23.09.19-15-32-07-300x298.jpg 300w, https:\/\/staging.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/foto-23.09.19-15-32-07-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kolumne von Pilar Hammerl | #Selflove, #happiest #metime, #yogawithaview, #veganfoodlove \u2026 Zurecht werden sich jetzt einige fragen: Was soll das? 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